Analyse zum iPhone 12 Event: Mehr Macht den Minis

Analyse zum iPhone 12 Event: Mehr Macht den Minis

Nach dem Apple Event vom 13. Oktober 2020: Fünf wichtige Fragen zum neuen iPhone 12 und eine erste Einschätzung.

Was können iPhone 12, iPhone 12 Mini, iPhone 12 Pro und iPhone 12 Pro besser als ihre Vorgänger?

Die Veränderungen sind vielfältig: Es gibt jetzt vier iPhones zur Auswahl, die zur iPhone 12-Generation gehören. Alle beherrschen den 5G-Mobilfunkstandard. Alle haben ein neues Gehäusedesign, das dem iPad Pro ähnelt und mit dem Metallrahmen offenbar nötig war für die 5G-Antenne. 

Der so genannte Ceramic Shield, der mit Corning Glass entwickelt wurde, soll das Glas beständiger machen, wenn es auf den Boden fällt oder zu verkratzen droht. Dafür wurden kleinste Keramikteilchen in das Glas integriert. Keramik ist nicht durchsichtig, daher gilt das Verfahren als komplex und neuartig. 

Neu gibt es MagSafe, eine Möglichkeit, mit einem kabellosen Ladegerät von Apple (für etwa 50 Euro) das iPhone schnell mit 15 Watt aufzuladen. Per Magnet wird das Ladepad korrekt ausgerichtet. Die Magneten verwendet Apple auch, um Zubehör wie ein Kreditkarte-Wallet oder die Hüllen zu befestigen. Gerade bei den Hüllen entfällt so hoffentlich das mühsame Entfernen der Schale, besonders beim Clear Case. Wie gut das funktioniert, müssen die Tests zeigen. 

Standardmäßig baut Apple eine neue Prozessorgeneration ein. Der A14 brilliert vor allem beim Machine Learning und hat hier die kräftigsten Zuwächse. Verwendungsmöglichkeiten zeigt Apple selbst auf mit den Verbesserungen bei der Fotografie und beim Videofilmen. 

Auch die Kamera wird Besitzer früherer Geräte erfreuen: Apple verspricht dank 7-Linsen-Technik Verbesserungen gerade in schlecht beleuchteten Aufnahmesituationen. Davon profitiert zum Beispiel der Night Mode.

Die beiden günstigeren Geräte schließen insgesamt mehr zu den Pro-Geräten auf. Deutlich wird das vor allem am Bildschirm, der nunmehr auch die konstraststarke OLED-Technologie verwendet und nicht mehr LCD. Bemerkbar wird OLED vor allem bei dunklen Bildschirmanzeigen, bei denen das Schwarz nicht im Hintergrund leuchtet. Das Kontrastverhältnis liegt bei 2 Millionen zu 1.

Was macht Apple bei 5G besonders?

Apple hat sich Zeit gelassen mit der Unterstützung des 5G-Standards. So genannte “Early Adoptor” scharen schon lange mit den Hufen, denn der 5G-Mobilfunkstandard, der höhere Übertragungsraten und geringere Latenzzeiten ermöglicht, hält langsam Einzug in die Mobilfunknetze. 

Damit sich das Warten wenigstens gelohnt hat, verspricht Apple eine global sehr weitreichende Unterstützung von 5G. 20 Frequenzbänder werden unterstützt. Zum Vergleich: Bei LTE sind es im neuen iPhone 12 insgesamt 32 Bänder. 

Damit aus 5G-Lust kein Frust wird, hat sich Apple des größten Problems neuer Mobilfunkstandards angenommen: Dem Akkuverbrauch. 5G saugt nämlich – wie ehemals auch LTE – schnell die Akkulaufzeit weg, wenn man es ständig nutzen würde. Das ist aber vielfach gar nicht erforderlich, da die Vorteile vor allem bei großen Downloads zum Tragen kommen. Mittels Smart Data Modus schaltet das iPhone deshalb automatisch zwischen 4G und 5G hin und her. Apple hat nach eigener Aussage auch im System erhebliche Anpassungen vorgenommen. Vermutlich geht es dabei darum, welchen Datenübertragungen Priorität eingeräumt wird und welchen nicht.

Bemerkenswert ist auch, dass Apple mit dem iPhone 12 Mini das bis dato kleinste 5G-fähige Smartphone anbietet. Die Problematik neuer Mobilfunkstandards ist meist, dass Antennen und Technik mehr Platz brauchen, die Miniaturisierung in einem so frühen Stadium ist deshalb schon bemerkenswert.

Für wen lohnt sich der Kauf eines iPhone 12 Pro (Max)?

Das Profil der Pro-iPhones wurde von Apple weiter geschärft. Der Bildschirm als Unterscheidungsmerkmal zwischen den günstigeren iPhones ist weggefallen. Es ist verblüffend, wie viele Funktionen und Eigenschaften allen iPhones der 12er-Generation verliehen wurden. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Kategorien durch die Verwendung von Edelstahl beim Pro und Alu beim iPhone 12 bzw. iPhone 12 Mini.

Es gibt drei signifikante Unterschiede der Pro-Modelle zu den günstigeren: Das Display (beim iPhone 12 Pro Max), der Speicher (512 GB) und vor allem die Kamera.

Bildschirmgröße und Speicher spielen tatsächlich nur eine Rolle, wenn die Maximalausstattung gewünscht wird. Denn das iPhone 12 und das 12 Pro teilen die gleiche Bildschirmgröße und das 12 ist auch bis 256 Gigabyte erhältlich.

Bei der Kamera gibt es hingegen beim Pro den Lidar-Sensor, der den Autofokus in dunklen Situationen deutlich verbessert, und weiterhin die zusätzliche Tele-Kamera. Die Angabe des 4-fachen bzw. 5-fachen Zooms ist recht missverständlich: Augenscheinlich gibt es gegenüber dem 11 Pro tatsächlich nur beim Max-Modell eine geringe Verbesserung auf 2,5-fache Vergrößerung. Apple hat eine merkwürdige Rechenweise gewählt, die Auf- und Abzoomen addiert. Spannend für Profis dürfte ProRAW sein, eine Möglichkeit, das Rohbild zur weiteren Bearbeitung zu erhalten und trotzdem von den Vorteilen der verbesserten Computational Photography zu profitieren. 

Wie bedeutsam ist der HomePod Mini?

Der HomePod Mini ist ein klares Bekenntnis zum HomePod, um den es nach zwei Jahren immer ruhiger wurde. Der Preis von unter 100 Euro macht den Mini zur echten Konkurrenz zu Amazon und Google. Weiterhin setzt Apple darauf, beim Klang zu überzeugen und mit dem Datenschutz, den die datenhungrigen Mitbewerber in diesem Maße nicht garantieren.

Die Kehrseite bleibt vermutlich Siri. Die Sprachassistentin genießt nicht den besten Ruf, obwohl sie in den letzten Jahren immer wieder verbessert wurde. Davon hängt auch ab, wie nützlich Funktionen wie das beeindruckende Intercom als Gegensprechanlage im Alltag wirklich sind. Intercom erinnert an Walkie-Talkie, das leider auf die Apple Watch begrenzt blieb. Der geräteübergreifende Ansatz über die Home-App ist sehr zu begrüßen.

Spannend auch, dass Apple offenbar mittels des U1-Chips die schnelle Übergabe von iPhone auf HomePod und umgekehrt ermöglicht. Der neu eingeführte schnelle Gerätewechsel der AirPods zeigt, wie angenehm solche Funktionen im Alltag sind. Hier könnte Apple tatsächlich im Gegensatz zu den Mitbewerbern brillieren, wo manches umständlich ist.

Insgesamt dürfte der HomePod Mini wohl den Smartspeakern Apples deutlich mehr Reichweite verschaffen. Das lässt darauf hoffen, dass diesem Bereich künftig noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Was wird einige Nutzer ärgern?

Wer in sozialen Netzwerken die Reaktionen einsammelt, wird einige Ärgernisse entdecken. Einige hätten gerne das geschmeidige Scrollen eines 120-Hertz-Bildschirmes gesehen, andere einen Touch-ID-Fingerabdrucksensor am Power-Button als Ergänzung zu Face ID. Abschreiben sollte man diese Features noch nicht: 120 Hertz wird womöglich kommen, wenn Apple 5G noch akkuschonender einsetzen kann. Für Touch ID war es im Corona-Maskenjahr einfach zu kurzfristig. 

Handfestes Ärgernis ist, dass Apple die schnurgebundenen EarPods-Kopfhörer und den USB-C-Ladestecker nicht mehr beilegt. Was nachhaltig der Umwelt dienen soll, sehen viele erstmal als Einsparung, ohne dass dafür wenigstens der Preis gesenkt wird. Würde das beigelegte Ladekabel wenigstens USB-A unterstützen, hätten zumindest viele noch einen entsprechenden Netzstecker von früher herumliegen. USB-C ist allerdings in vielen Haushalten noch exotisch. Mancher wird also in die Tasche greifen müssen, um Zubehör zu kaufen.

Ein erstes Zwischenfazit

So faszinierend vieles in Präsentationen und in Videos wirkt: Die Realität wird zeigen, ob die Neuigkeiten im Alltag halten, was sie versprechen. Es gibt nach diesem Event einiges, worauf es sich lohnt, gespannt auf die Tests zu sein.

Fest steht, dass Apple endlich den überfälligen Wechsel auf 5G-Mobilfunk vollzogen hat. Zwar unken sofort viele, dass ja in Deutschland nicht einmal 4G (LTE) flächendeckend ausgebaut ist. Das mag es dem einen oder anderen erschweren, den Reiz von 5G zu sehen. Doch 5G wird in Deutschland nicht erst ausgebaut, wenn 4G flächendeckend verfügbar ist, sondern der Ausbau läuft parallel. Am Ende wird Apple wahrscheinlich sogar 5G mehr helfen, als 5G Apple. Denn nach wie vor ist das iPhone das Smartphone, das auch viele Multiplikatoren in der Gesellschaft nutzen. Das Bewusstsein für 5G wird deutlich wachsen und damit die Nachfrage, folglich also auch das Angebot.

Bemerkenswert ist, wie wenig nur noch dafür spricht, sich ein Pro-Modell des iPhones zu kaufen. Für einen noch größeren Prozentsatz der Käufer wird ein iPhone 12 oder iPhone 12 Mini mehr als ausreichen. 

Die herausragendsten Neuerscheinungen tragen beide den Zusatz Mini. Der HomePod Mini reduziert die Attraktivität des großen HomePods. Er dürfte das Maß der Dinge werden. Die kleinere Größe des iPhone 12 Mini lässt sich Apple nicht wie beim iPad extra bezahlen, sondern verlangt für die gleiche Technik wie im iPhone 12 sogar weniger Geld. Das ist umso bemerkenswerter, wo Apple viele Jahre einen großen Bogen um die Mini-Wünsche der Nutzer gemacht hat und diese beim iPhone zum Beispiel “nur” mit dem iPhone SE befriedigte. Was, wenn die Minis zu den größten Verkaufsschlagern werden? Apple gibt den Minis mehr Macht.

Geschrieben von
Malte
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