Nuki Smart Lock 2.0 im Test: Schlüsselerlebnisse

Nuki Smart Lock 2.0 im Test: Schlüsselerlebnisse

Ein Smart Home Device, das einem die Tür aufhält? Ein Traum. Muss aber keiner sein: Für knapp 300 Euro kann diese Vorstellung Realität werden. Doch was taugt das und ist das nur Luxus?

Hand aufs Herz: Die meisten von uns finden es doch zuweilen ganz schön, mal hofiert zu werden. Personen von Rang und Namen definieren wir unter anderem dadurch, dass ihnen Menschen die Tür aufhalten. Unvorstellbar, dass sich etwa die britische Queen selbst abmüht, die großen Palasttüren zu öffnen. Und gegenüber Damen gilt es bis heute als höflich, ihnen die Tür offen zu halten.

Was für ein grandioses Versprechen also, das von Nuki mit dem Smart Lock 2.0 abgegeben wird: Es öffnet einem die Türen. Für ein wenig Höflichkeit würde freilich kaum einer 300 Euro ausgeben, so dass der Hersteller auch noch jede Menge Nutzwert in Aussicht stellt: Das schlüssellose Auf- und Abschließen der Haustür etwa, das Ausgeben von Bluetooth-Schlüsseln anstelle eines echten, womit ein Verlust nichts ausmacht, oder auch zeitbeschränkte Zugänge, wenn zum Beispiel der Handwerker in die Wohnung muss.

In unserem Fall war es vor allem der Wunsch, dass die Haustür von selbst aufgeht, wenn man zum Beispiel bei Regenwetter vollbepackt nach Hause kommt. Ein Traum, dann nicht in den Jackentaschen nach dem Schlüsselbund fischen zu müssen.

Unter dem Gesichtspunkt des Smart Homes ist die Haustür zweifellos ein Punkt, an dem man sich manche Erleichterung wünscht. Sie wird oft benutzt und es gibt ein Bedürfnis, sich über ihren Zustand zu informieren, also etwa, ob sie abgeschlossen ist. Wer obendrein noch Gäste beherbergt, etwa in einer Ferienwohnung oder als AirBnB-Host, kann sich das Leben deutlich vereinfachen, wenn der Schlüssel nur noch digital existiert.

Das Smart Lock 2.0 gibt es im Set mit der Bridge, die für die nötige Internetkonnektivität sorgt.

Wie das Smart Lock funktioniert

Doch wie wird die althergebrachte Haustür smart, ohne sie baulich verändern zu müssen? Die Lösung von Nuki ist ein Aufsatz, bestehend aus einem Zylinder und einem dunklen Kästchen. In dem Zylinder ist ein Motor, der einen Haustürschlüssel umschließt, den man vorher in das Schloss stecken muss. Er dreht auf Kommando den Schlüssel – ist also gewissermaßen der Konverter zwischen digital und analog. Im Kästchen stecken die Technik und vier AA-Batterien.

In der Grundausstattung kann dieses Smart Lock per App und Bluetooth vom Smartphone aus gesteuert werden. Wer es von überall aus schalten und kontrollieren möchte, bekommt im Set ein dunkles Kästchen für die Steckdose, das als Brücke zwischen Schloss und Internet fungiert. Außerdem gibt es noch die Fobs (39 Euro/Stück), kleine Schlüsselanhänger, die sich als Sender zum Öffnen der Tür programmieren lassen, und das Keypad (79 Euro), das angeklebt oder angedübelt werden kann und als ein Zahlenschloss fungiert.

Installation

Smart Lock mit Anzeige, dass die Tür geöffnet ist

Nuki verspricht eine Installation innerhalb von wenigen Minuten. Das ist ein Versprechen, das viele Hersteller geben, und das oft aber offenbar doch nur unter Idealbedingungen einzulösen ist. Im Falle des Smart Locks ist es gefühlt aber wirklich ein Kinderspiel, es zu installieren. Vor dem Kauf sollten Interessierte beim Hersteller einen Fragebogen abarbeiten, der einem am Ende verrät, ob das heimische Türschloss überhaupt in Frage kommt. In den meisten Fällen sollte dies der Fall ein, zumal gleich zwei verschiedene Montageeisen beiliegen und weitere bestellbar sind. Das Smart Lock kann also eine Menge Türen bedienen.

Die iOS App mit der Anzeige, dass die Tür aufgeschlossen ist

Per mitgeliefertem doppelseitigen Klebeband wird das Montagegestell einfach über das Schloss von innen geklebt, der Aufsatz draufgesteckt, fertig. Bei einigen Schlössern wird es sogar nur aufgesteckt. Per App werden alle Installationsschritte erläutert. Nach einem automatischen Training ist das Schloss einsatzbereit. In unserem Falle war die Haustür offenbar etwas überfordert, da sie nach kurzer Zeit blockierte. Etwas Silikonspray schaffte Abhilfe. Seither gab es keine Probleme mehr.

Schluss mit Schlüsseln

Im Einsatz ist es erstmal fremdartig, wenn sich die Tür wie von Geisterhand öffnet und per Smartphone steuerbar ist. Wahlweise kann dies per Sprachkommando (Siri via HomeKit, Alexa, Google Assistant etc.), nur per Nuki App oder automatisch erfolgen, wobei per GPS eine grobe Ortung vorgenommen wird und die Tür automatisch geöffnet werden kann, sobald das Smartphone eines Nutzers in Bluetooth-Reichweite kommt.

Der Schlossaufsatz ist in Aktion ziemlich laut. Eine kreisrunde Beleuchtung zeigt von innen an, ob die Tür aufgeschlossen, verriegelt oder geöffnet ist. Für letztgenanntes wird ein kleiner Magnet eingesetzt, der zusammen mit dem Aufsatz ermittelt, ob die Tür offen ist.  Pushmitteilungen setzen darüber in Kenntnis, was an der Tür passiert. Die Erkennung, ob die Tür ab- oder aufgeschlossen ist, funktioniert tadellos. Bei der Frage, ob sie geöffnet ist, gab es im Test ganz selten Fehlerkennungen. Die Methode mit dem Magneten ist unter Smart Home-Geräten weit verbreitet.

Die im Dark Mode gehaltene Nuki App für iOS ist sehr übersichtlich. Für den schnellen Zugriff gibt es außerdem Widgets. Am angenehmsten ist es natürlich, wenn die Automatik greift. Die Nuki-App sendet einem eine Pushnachricht, sobald man per GPS im Radius geortet wird. 

Per App können die Zubehörgeräte eingebunden werden.

Auch die Zubehörteile werden über die App konfiguriert. Der Nutzer wird dabei stets durch Erklärseiten angeleitet. Um Familienmitgliedern oder anderen Personen Zugriff zu gewähren, braucht es aber nicht unbedingt Zukäufen. Auch über die App können entsprechende Zugriffe gesteuert werden. Die anderen Personen benötigen dann nur die kostenlose App.

Was wir in unserem Testzeitraum nicht herausfinden konnten, ist die Dauer, bis ein Batteriewechsel erforderlich ist. Nuki gibt die Dauer mit sechs Monaten an. In der App soll es eine Mitteilung geben, sobald die Batterien unter 20 Prozent fallen.

Wie sicher ist Nuki? 

Bei aller Liebe für den Komfort: Gerade im Bereich der Haustür ist natürlich der Faktor Sicherheit von hoher Bedeutung. Nuki beteuert, dass die gesamten Verfahren verschlüsselt und sicher sind. Als Beleg wird der Test eines unabhängigen Instituts vorgelegt. Doch das gilt natürlich nur für die Software. Wie sicher ist die Hardware, wenn in dem Gerät ständig ein Schlüssel steckt?

Tatsächlich ist es nicht ganz so einfach, den Zylinder zu öffnen, um an den Schlüssel zu gelangen. Denkbar ist, dass bei einer Haustür mit Fenstern ein Einbrecher das Glas einschlägt und dann versucht, an den Schlüssel zu gelangen. Dafür muss jedoch erstmal das Batteriefach geöffnet und ein Schalter im Inneren betätigt werden, um den Zylinder zu entriegeln. Dies nahezu blind und geräuschlos hinzubekommen, ist eine große Herausforderung und dürfte abschrecken.

HomeKit-Integration: So klappt es auch mit Siri.

Und der Einbrecher muss ja auch erstmal sehen, dass Nuki überhaupt im Einsatz ist. Dies ist von außen schwer zu erkennen. Der Hersteller argumentiert, dass die Lösung als sicher gilt und auch von Versicherungen nicht als Nachteil bewertet wird, falls es doch zu einem Einbruch kommt. Das ist eine deutliche Aussage.

Bei vielen Nutzern dürfte das Smart Lock die Sicherheit sogar eher erhöhen, ermuntert es doch, ständig abzuschließen und die Tür nicht aufgeschlossen zu belassen.

Fazit: Ein Stück Komfort

Das Smart Home steht ja seit Anbeginn unter dem Stigna, dass es aus Sicht vieler Firlefanz ist. So waren auch die Reaktionen aus unserem Umfeld. Ein smartes Türschloss? Wie witzig – aber braucht man das?

Doch der Reihe nach.

In punkto Verlässlichkeit kann das Nuki Smart Lock 2.0 uneingeschränkt punkten. Es macht, was es soll, und das einfach und schnell. Jeder Schritt ist gut erläutert und die gute Betreuung des Käufers fängt schon an, bevor er bestellt oder gekauft. Der Fragebogen im Netz erspart einem eine große Enttäuschung und zeigt zugleich, wie viele verschiedene Varianten von Türschlössern es gibt. Es ist ein Kunststück, diesem Wirrwarr mit einem Produkt zu begegnen, das möglichst vielen hilfreich sein soll.

Der Nutzwert hängt davon ab, was die Nutzer daraus machen. Ein Nuki Smart Lock ist zum Glück keine Entweder-oder-Entscheidung. An der Außenseite ist das Türschloss weiterhin normal mit dem Schlüssel verwendbar (sofern das Schloss gleichzeitige Verwendung zweier Schlüssel ermöglicht). Von innen kann an einem Ring am Zylinder gedreht werden, wenn Mitbewohner analoges Schließen bevorzugen. Voll entfalten sich die Vorteile, wenn man häufig Schlüssel an andere Personen weitergibt. Den digitalen Schlüssen kann keiner heimlich kopieren und wenn er verloren geht, bedarf es keines Schlüsseldienstes oder des teuren Austauschs der Schlösser.

Schlussendlich ist das Nuki Smart Lock für die meisten Nutzer vor allem ein Stück Komfort, das man sich gönnt. Dass sich die Tür vor einem automatisch öffnet, ist etwas, an das man sich schnell gewöhnt. Und von unterwegs nachschauen zu können, ob die Tür wirklich abgeschlossen ist, beruhigt die Nerven.

Über das Nuki Smart Lock sprechen wir auch in Apfelfunk 200:

Geschrieben von
Malte
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3 Kommentare
  • Hallo Malte, das gute Stück kommt übrigens aus eurem Podcast Hörer-Bereich Österreich.
    Eine tolle Sache ist noch das Ganze mit aufgeklebter RFID an der Haustüre zu verwenden.
    iPhone hinhalten und die Türe lässt sich ganz gezielt öffnen.

  • Dann könnte man immer noch mit einem analogen Ersatzschlüssel von außen aufschließen. Da aber weit vorher eine Batteriewarnung erfolgen soll, würde ich im Zweifel lieber vorher noch einmal die Batterien wechseln. Oder neue Akkus einsetzen.

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