Schlaf? Gut! Ein Blick auf Apples Schlaf App
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Schlaf? Gut! Ein Blick auf Apples Schlaf App

Seit watchOS 7 und iOS 14 ist die Schlaf App fester Bestandteil der Apple-Betriebssysteme. Der Fokus liegt aktuell auf der Schlafdauer. Schläft es sich mit dem digitalen Assistenten besser als ohne? Eine Zwischenbilanz.

Wer das große Glück hat, bis auf wenige Ausnahmen selbst in stressigen Zeiten durchzuschlafen, der oder die dürfte kaum ein Bedürfnis entwickeln, den eigenen Schlaf genauer zu untersuchen. Dachte ich zumindest. Als vor ein paar Jahren Apps wie AutoSleep immer mehr von sich reden machten, war ich doch neugierig. Und die Idee, sich von der App aufwecken zu lassen, wenn der eigene Körper zeitlich gerade am besten darauf eingestellt ist, klang charmant.

Schlaftracking-Apps sind wie der Blick in den Spiegel, um festzustellen, ob zu viele Pfunde an den Hüften sitzen. Im Grunde weiß man die Antwort schon vorher, aber der nüchterne Blick auf die Zahlen ist schonungslos. Der Schock kann oft nützlich sein, um endlich mal etwas daran zu ändern.

Doch der Selbstversuch mit den Dritt-Apps endete für mich immer wieder unvermittelt. Sie waren mir einfach oftmals zu fordernd, zu belehrend, zu präsent. Es gab eben halt in meinem individuellen Fall kein wirkliches Problem mit dem Schlaf, das so viel erhobenen Zeigefinger rechtfertigen würde. Zumindest kein gefühltes, die Lebensqualität einschränkendes. Aber die Apps, die in ihrem Sandkasten stecken, müssen systembedingt halt über Pushnachrichten nerven. Der Systemzugriff bleibt ihnen bei iOS verwehrt. Dezentere Formate wie den Sperrbildschirm können sie nicht wählen.

Als Apple im Sommer 2020 das langerwartete eigene Schlaftracking in watchOS 7 und iOS 14 präsentierte, stand deshalb unter anderem die Frage für mich im Fokus, was Apple mit seinen herausragenden Möglichkeiten anders, ja gar besser macht.

Sechs Monate danach

Jahrelang wurde darüber spekuliert, dass Apple der Apple Watch ein Schlaftracking spendieren könnte. Und als es endlich soweit war, reagierte mancher der Wünschenden ernüchtert. Der große Wurf, den mancher erwartete, war die Funktion “Sleep” (Schlaf) auf den ersten Blick nicht. Im Schatten der anderen großen Neuerungen ging die Funktion fortan etwas unter. Zu Unrecht.

Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Software-Updates für alle ist der Rauch verzogen und der Blick klarer, was Apples Schlaftracking kann, wo seine Vorzüge sind und was vielleicht noch fehlt.

Und ja, zwei große Stärken kann Apple so schnell keiner streitig machen: Dies ist erstens, dass die Schlaffunktion in das Betriebssystem fest integriert ist. Millionen von Nutzern, die ihre Geräte auf dem neuesten Stand halten, müssen also keine zusätzliche App laden, um mit der Funktion in Berührung zu kommen. Der andere Vorteil ist, dass Apple sich selbst Zugang zu seinen eigenen Geräten wie kein anderer Hersteller einräumen kann.

Dementsprechend genießen die Kalifornier den Luxus, sich auf bestimmte Funktionen rund ums Schlafen beschränken zu können. Aber das machen sie dafür ziemlich gut. Der Fokus liegt dabei auf der Messung der Länge des Schlafs. Und Apple hat seine Software zu einer Art Assistenten gemacht, der dem Nutzer unter die Arme greifen soll, rechtzeitig zur Entspannung zu finden, und gesteckte Schlafziele auch in die Tat umzusetzen.

In meinem Falle führte das dazu, dass das Streben nach Regelmäßigkeit und einer Mindestdauer größer wurde. Es war ein wenig wie mit der ersten Apple Watch, die einen dezent vor Augen führte, dass man sich zu wenig bewegt. Seither ist das Füllen des Rings täglicher Ansporn. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Schlafziel. Es ist kein Beinbruch, es nicht zu erreichen, aber wer mag nicht etwas Lob lesen?

Die Schlafdauer kann in Statistiken auf iPhone und Apple Watch angezeigt werden.
Foto: Apple

So wird Schlaf eingestellt

Zu finden ist die Schlaf-Funktion in der systemintegrierten Health-App, in der Apple alle Gesundheitsdaten vereint. Wie die anderen Datensätze soll Verschlüsselung für einen besonderen Schutz sorgen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Dritt-Apps über Schnittstellen auf diese und weitere Gesundheitsdaten des Nutzers zugreifen können, sofern der Nutzer den Apps diese Rechte einräumt. So kann Apple also die Analyse der Schlafgewohnheiten anderen überlassen und muss nicht alles selbst vorhalten. Zwar hat man in Kalifornien beim Entwickeln der Schlaffunktion auch Experten einbezogen. Am Ende stand aber wohl das Ergebnis, dass relativ viel rund um den Schlaf noch unerforscht ist. Sicher ist hingegen, dass zu wenig Schlaf ungesund ist und den Nutzer schlichtweg Leistungsfähigkeit kostet. Deshalb steht die Dauer im Fokus.

Wer die Schlaf-App das erste Mal einstellt, wird nach einem Stundenziel befragt. Das kann dann in pauschale oder individuelle Zeitpläne umgemünzt werden. Eine Weckerfunktion is auch gleich integriert. Diese ist nicht sehr smart, aber einfach einzustellen. Und es gibt eben besagte Entspannung-Funktion (Wind Down), die das Display des Smartphones rechtzeitig dimmt, Benachrichtigungen nicht mehr durchlässt und dem Nutzer wahlweise Kurzwahltasten bereitstellt, mit denen er seine Lieblings-Apps zum Schlafgehen, etwa ein E-Book-Reader oder eine Musik-App schnell aufrufen kann. Auch Smart-Home-Geräte lassen sich hier steuern und somit rasch das Licht ausschalten, wenn der Nutzer Homekit-fähige Lampen besitzt.

Auch ohne Uhr nutzbar

Zur Freude der Apple-Nutzer ohne Uhr kann die Schlaf-Funktion auch nur mit dem iPhone verwendet werden. Während bei der Apple Watch der Bewegungssensor erkennt, ob der Nutzer schläft, begnügt sich das Smartphone allerdings mit der Nutzung, sprich zum Beispiel einer nächtlichen Aufladung, um zu erkennen, was der Anwender macht. Das kann auch schon mal zu Fehlerkennungen führen. Die Uhr ist hier akkurater. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, die Uhr auch nachts zu tragen.

Morgens bekommt der Nutzer dann auf der Apple Watch einen kleinen Infobildschirm angezeigt, der über das Wetter informiert. Nützlich ist für Uhrenbesitzer auch, dass rechtzeitig informiert wird, wenn die Apple Watch vorher noch einmal geladen werden muss, damit ihr nachts nicht die Luft ausgeht. Dank der schnellen Ladezyklen lässt sich die Uhr auch rund um die Uhr tragen, wenn der Nutzer kleine Ladepausen morgens und abends vorsieht.

Angenehm ist übrigens auch, dass die Schlaf-Funktion nur beim Erreichen der Ziele lobt, aber keinen Tadel ausspricht. Es ist also nicht nur die Systemintegration, die sie unauffälliger und damit auf lange Sicht als ständiger Begleiter erträglicher macht. Es ist auch die Art der Ansprache.

Alternativen zur Schlaf-App

Ganz so viel zu sagen hat sie allerdings verglichen mit Apps wie AutoSleep, SleepCycle und Pillow Tracker aber auch nicht: Diese bieten ein viel größeres Schlafanalyse-Instrumentarium und sogar besagte smarte Wecker, die erkennen, wenn der Nutzer in einer Leichtschlaf-Phase sind und einen dann wecken, wenn es nicht so unangenehm ist wie im Tiefschlaf.

Warum Apple nicht mehr Gebrauch macht von den eingebauten Sensoren für Puls, Blutsauerstoff oder das Mikrofon in der Apple Watch, bleibt das Geheimnis der Kalifornier. Vermutlich hätte es aber auch den Akkuverbrauch in die Höhe getrieben, was dann den Kauf einer zweiten Uhr – eine für den Tag und eine für die Nacht – erfordert hätte.

Andererseits steht Schlaf bei Apple noch ganz am Anfang. Wer weiß, wie die Funktion in Zukunft weiterentwickelt wird. Man sollte nicht unterschätzen, wie bedeutsam der Datenschutz bei dem Thema ist. Apple hat sich hier sehr glaubwürdig positioniert. Das alleine sollte freilich keine Einladung sein, sich darauf auszuruhen – so gut das auch im Wortsinne zum Thema passen würde.

Geschrieben von
Malte
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