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AirPods Pro im Test: Die AirPods, die wir immer haben wollten

Mit den AirPods Pro erfahren die kabellosen Bluetooth-Kopfhörer von Apple erstmals ein grundlegendes Redesign. Warum es sich lohnt, die 100 Euro Aufpreis in Kauf zu nehmen.

Die ersten AirPods von Apple waren so überzeugend, dass es vielen schwer fiel, sich eine Fortsetzung vorzustellen, die ebenso viel „Oh“ und „Aha“ auslöst. Wir erinnern uns: Damals waren kabellose Kopfhörer oftmals untereinander doch mit einem Kabel verbunden, also nur schnurlos mit Blick auf das anzuschließende Gerät. Zudem war es mitunter die reinste Qual, per Bluetooth den Erstkontakt herzustellen. Die AirPods klappte man auf, drückte einen Button – fertig! Und auch das Ladekonzept war und ist bis heute beeindruckend: Die Schatulle ist  hier mehr als Verwahrungsort, sondern selbst Ladestation, eine Art Zwischenpuffer, der die AirPods unterwegs noch länger nutzbar macht.

Mit den AirPods 2 – die erst drei Jahre später, 2019, vorgestellt wurden – verdichtete sich allerdings die Befürchtung, dass Apple schon ein ziemlich ausgereiftes erstes Produkt ausgeliefert hat: Die Schatulle ließ sich nun kabellos laden und Sprachassistentin Siri ist jederzeit ansprechbar – hier erschöpften sich schon die Neuerungen. Die 2. AirPods-Generation war ein klassisches Update.

Und hier sind die AirPods Pro. Die dritte Generation ist eigentlich eine Parallellinie, die Apple offenbar wegen des Aufpreises aufgemacht hat. Die „normalen“ AirPods gibt es also weiterhin und es stellt sich die Frage, ob es künftig bei zwei Linien bleibt oder ob Apple erstmal den Markt testet und am Ende entscheidet, dass den Pros die Zukunft gehört.

Die AirPods Pro sind die erste große Weiterentwicklung der AirPods und ein grundlegendes Redesign. Mit aktiver Geräuschunterdrückung und neuen Funktionen führen sie allerhand Neues ein. Wir haben sie einem Praxistest unterzogen.

Active Noise Cancelling

Kinderleicht: Die Einrichtung der AirPods Pro auf dem iPhone

Wir leben in einer lauten Welt, ohne dass uns das so unmittelbar bewusst ist. Wer mal eine Zugfahrt mit Noise Cancelling-Kopfhörern erlebt hat, merkt erst, wie laut der vermeintlich ruhige Fernzug wirklich ist. Im Gegensatz zu passiven Maßnahmen, die das Ohr gegen Störgeräusche abdecken, wird beim Active Noise Cancelling (ANC) zusätzlich ein Antigeräusch erzeugt. Dafür sind an den Außenseiten der Hörer kleine Mikrofone eingebaut. 2oo Mal pro Sekunde soll die Berechnung erfolgen, was dem Laien zunächst einmal wenig sagt. Im Ergebnis können einen ANC-Kopfhörer bemerkenswert gut von der Außenwelt abschirmen.

Jene Kopfhörer, die die Ohren umschließen, haben es dabei etwas leichter als In-Ear-Hörer. Denn ANC geht immer Hand in Hand mit passiver Abschottung – sonst funktioniert das Prinzip nicht. Die neuen AirPods Pro haben deshalb so genannte Tips, Silikonaufsätze, wie sie von vielen In-Ear-Hörern bekannt sind. Apple hat drei Größen beigelegt. Über die Einstellungen der AirPods Pro kann ein kleines Hilfsprogramm aufgerufen werden, das wenige Sekunden Musik abspielt und mittels Mikrofonen im Inneren ausmisst, ob die Ohren wirklich gut genug abgeschottet sind.

Der Weg zu diesem Hilfsprogramm ist etwas verwinkelt. Man muss dazu in die Bluetooth-Einstellungen (Einstellungen-Bluetooth) wechseln und dort auf das kleine „i“ tippen.

Der Erfolg des Noise Cancellings ist eng verbunden mit den kleinen Aufsätzen. Aus Nutzerberichten ist zu entnehmen, dass sie offenbar nicht jedem (optimal) passen. Es bleibt abzuwarten, ob vielleicht Dritthersteller auf den Zug aufspringen und weitere Aufsätze anbieten. Wer aber die AirPods Pro wegen der Geräuschunterdrückung kauft, sollte als erstes die Ohraufsätze testen.

Unser akustischer Maßstab beim Test waren die Bose QC35, Over-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling. Auch wenn einige Rezensenten frohlockten, dass die AirPods Pro extrem nah dran seien, stellte sich zumindest in unserem Fall etwas anders dar: Zwar gibt es einen hörbaren Unterschied, wenn das Noise Cancelling aktiviert ist. Besonders bei sonoren, tiefen Dauergeräuschen macht sich das sehr bemerkbar (wie etwa in der Kühlabteilung im Supermarkt). Aber: Die QC35 bleiben für uns dennoch ungeschlagen an der Spitze. Ein vollwertiger Ersatz sind die AirPods Pro nicht. Das bedeutet freilich nicht, dass die AirPods Pro nicht trotzdem einen erheblichen Unterschied zum Positiven ausmachen.

Zudem haben die AirPods Pro einen anderen Vorteil, der das leichte Nachsehen gegenüber Bose relativiert: Sie sind ultramobil. Die QC35 nimmt man meist nur geplant mit – etwa auf Flugreisen. Die AirPods Pro wird man häufiger in der Jackentasche haben. Und man kann sich mit ihnen besser anlehnen, etwa im Flugzeug, ohne die Vibrationen auf den Kopfhörer zu übertragen. Auch im Liegen auf dem Sofa sind die In-Ears noch etwas gemütlicher als jede Over-Ear-Lösung.

Wir geben dem Noise Cancelling deshalb vier von fünf Punkten.

Der Sound

Die strukturellen Veränderungen, wie man die AirPods Pro ins Ohr steckt, die Ohrenaufsätze und das Noise Cancelling haben auch deutliche Veränderungen im Hörerlebnis zur Folge.

Die klassischen AirPods sitzen eher locker in den Ohren. Wer sie mit den Fingern beim Hören etwas anpresst, bemerkt, dass der Sound kraftvoller wird. Die AirPods Pro muss man nicht pressen, sie schmiegen sich durch die Ohraufsätze stärker an. Das hat zur Folge, dass der Ton in einer angenehmen Weise bassiger, kraftvoller klingt. Durch ein Ventil hat Apple dafür gesorgt, dass sich Bewegungen des Nutzers in Verbindung mit dem abgedichteten Ohr nicht zu dumpfen Geräuschen entwickeln. Weil die AirPods Pro enger mit dem Körper verbunden sind, ist es umso wichtiger, dass sie laut Apple Schweiß trotzen. So richtig wird sich das Tragegefühl unter wärmeren Bedingungen wohl erst im nächsten Sommer zeigen.

Die Veränderung mit den Ohraufsätzen verbessert auch das Hörerlebnis mit einem einzelnen AirPod erheblich. Liefen wir mit einem klassischen AirPod durch den Park, mussten wir uns oft viel stärker konzentrieren, um einen Podcast zu hören. Ein AirPod Pro liefert auch alleine einen starken Sound ab.

Rangierte die Tonqualität der klassischen AirPods für uns zwischen 3 und 4 von 5 Punkten, liegt sie für uns nun bei 4 bis 5 von 5.

Transparenzmodus

Der so genannte Transparenzmodus ist wohl die Funktion, die viele – auch wir – am Anfang am meisten unterschätzen. Er wird aktiviert, indem das Stummelschwänzchen des AirPods für einen Moment zusammengedrückt wird. Zwei unterschiedliche Töne signalisieren dem Nutzer, ob der Modus ein- oder ausgeschaltet ist.

Was zunächst wie das Abschalten des Noise Cancellings anmutet (die eine dritte Option in der Lautstärkeeinstellung auf dem iPhone), ist viel mehr. Apple stellt nämlich die Außenmikros auf Durchzug. Es wird also nicht einfach nur der Gegenschall abgeschaltet, sondern der Außenton mit dem der AirPods gemischt. In der Folge wirkt es, wenn gerade kein Ton abgespielt wird, so, als habe man die AirPods Pro gar nicht in den Ohren. Mitunter hört man sogar besser damit als ohne, was ein kurioser Effekt ist, wenn man die AirPods Pro aus den Ohren nimmt und plötzlich schlechter hört.

Diese Vermengung vom Ton der Außenwelt und dem Tonsignal ist in vielen Alltagssituationen eine praktische Verbesserung, bleibt man doch für andere Menschen ansprechbar. Sollte Apple irgendwann eine Augmented-Reality-Brille veröffentlichen, wäre das Transparenzmodus der dazu passende Ton. Vielleicht sind die AirPods Pro in der Beziehung ja sogar ein Vorbote für Audio AR.

Aussehen der AirPods Pro

Das Aussehen der AirPods Pro könnte man stellvertretend für die Veränderungen insgesamt ansehen: Hier ist ein Grundprinzip beibehalten worden, das aber in vielerlei Hinsicht optimiert und windschnittiger ist.

Vorbei die Zeiten der „Zahnbürstenköpfe“: Die AirPods Pro haben kürzere Stummel, sind insgesamt kurviger und schnittiger, wobei im Bereich der Hörer selbst funktionsbedingt etwas mehr Raum gegeben wurde.

Eine deutliche Verbesserung sind die kleinen Schalter an den Stummeln. Sie klicken bei Betätigung und erscheinen uns zuverlässiger als die bisherige Antipp-Methode. Die Funktionen links und rechts können dabei unterschiedlich belegt werden.

In den Stummeln sitzen weiterhin Mikrofone, die aus den AirPods Pro eine Freisprecheinrichtung mit guter Akustik machen.

Die größte Verbesserung ist aber der Sitz der Hörer in den Ohren. Die „klassischen“ AirPods sind uns zwar nicht ständig, aber schon bei einer Handvoll Spaziergängen aus den Ohren gefallen. Ganz zu schweigen von Arbeiten im Haushalt, wo man sich nach vorne beugen muss: Hier war das Tragen immer eine Wackelpartie, überschattet von der Sorge, dass einem ein AirPod herausfällt. Mit den AirPods Pro plagen uns solche Sorgen nicht mehr. Die Ohrenstücke fixieren sie perfekt. Gleichwohl bleibt die Frage, ob der Nutzer das passende Ohr hat, bestehen.

Das Case

Links das Case der AirPods Pro, rechts das der AirPods der 2. Generation

Das veränderte Design der AirPods Pro bedingt offenbar, dass auch das alte Schatullen-Design nicht mehr so möglich war. Haben die „klassischen“ AirPods ein hochkantes Case mit schmaler Klappe, ist es bei den Pros umgekehrt: Die Schatulle ist breiter als hoch und die Klappe entsprechend viel breiter. Wie bei den anderen AirPods knarzt der Kunststoff ein wenig, wenn man mit den Fingern darüber streicht, besticht aber durch gute Stabilität.

Durch die Querausrichtung sind die AirPods Pro auch im Case gleich als solche zu erkennen. Maßgeblicher Grund für die Veränderung dürfte wohl der veränderte Schwerpunkt der Hörer gewesen sind, die nun deutlich kopflastiger sind. Nicht zuletzt brauchen auch die hinzugekommenen Ohraufsätze Platz.

Im Größenvergleich ist die neue Schatulle etwas größer, der Unterschied fällt aber nur marginal ins Gewicht, so dass sie immer noch ein wunderbarer Alltagsbegleiter sind.

Das Handling

Bei der Einrichtung bzw. Bedienung ist alles beim Alten geblieben: Zur Einrichtung wird das Case neben dem iPhone aufgeklappt, ein Button bestätigt und schon kann es losgehen. Auch Wechsel des Geräts bzw. das Aktivieren zur Nutzung durch Einsetzen der Hörer in die Ohren folgen der bekannt-beliebten Art. Nimmt man die Hörer aus den Ohren, stoppt die Musik – setzt man sie wieder ein, wird sie fortgesetzt. Auch das ist geblieben. Seit iOS 13 ist es nun auch möglich, mit mehreren AirPod-Paaren gleichzeitig Musik zu hören.

Das beste Erlebnis bleibt freilich weiterhin der iOS-Welt vorbehalten. Mit dem Mac ist die Nutzung via AirPlay noch vergleichsweise komfortabel, wer die AirPods Pro mit Android-Geräten nutzt, profitiert zwar von den Hardware-Funktionen, aber nicht vom optimalen Software-Erlebnis.

Verbesserungswürdig erscheint uns derzeit noch das Auffinden der Einstellungen der AirPods, denen bei den Pros nun eine höhere Bedeutung zukommt.

Akkulaufzeit

Wie bei den „klassischen“ AirPods dient das Case als eine Art Zwischenpuffer, in dem die Hörer rasch aufgeladen werden können. Apple verspricht 24 Stunden Batterielaufzeit in der Kombination aus Case und AirPods. Die AirPods Pro selbst sollen 4,5 Stunden durchhalten und nach fünf Minuten im Case wieder genug Ladung für eine Stunde haben. In unserem in Tagen gesehen noch recht kurzen Test empfanden wir diese Werte als durchaus realistisch.

Fazit

Bei aller Freude über die ersten AirPods: Es gab von Anfang an das eine oder andere Wenn und Aber, das  auch über die Jahre nicht an Bedeutung verlor. Die spannende Frage war stets, ob Apple diese Punkte aufnimmt bzw. ob sie es bei dieser ohnehin bemerkenswerten Ingenieursleistung im Kleinen überhaupt so einfach können.

Die AirPods Pro treten den Beweis an: Sie können. Und damit halten wir nun endlich die AirPods in den Händen, die wir immer haben wollten. Sie klingen noch besser, halten Störgeräusche draußen und sitzen fest, aber dennoch bequem. Und mit dem Transparenzmodus gibt es nun auch noch eine Funktion, die die AirPods zum Always-on-Device macht.

Nun lässt sich Apple diesen Unterschied aber auch bezahlen: Wer schon AirPods besitzt, muss nicht nur die 179 Euro bzw. 229 Euro (mit kabellosem Ladecase) noch einmal hinblättern. Er kommen sogar noch fast 100 Euro mehr dazu. Knapp 300 Euro für ein Paar Kopfhörer – das ist für viele keine Pappenstiel.

Wer die AirPods liebt, sie rege nutzt und die bestmöglichen haben möchte, der dürfte an den AirPods Pro zweifellos Gefallen finden. Wer seine Over-Ear-Noise-Cancelling-Kopfhörer auf den den Altenteil schicken möchte, sollte jedoch kritisch prüfen, ob wirklich die erhoffte Gleichwertigkeit  in der Geräuschunterdrückung gegeben ist.

Eine weitere Frage ist natürlich bei dem Preis, wie beständig die AirPods Pro in punkto Akkus sind. Das ist bei Erstgeräten immer eine Wette auf die Zukunft.

Andererseits – und das ist vielleicht der Vorteil der späten Veröffentlichung der Pro-Modelle – haben wir im Gegensatz zu den ersten AirPods zumindest Erfahrungswerte von den Vorgängermodellen. Meine ersten AirPods sind heute immer noch voll einsatzfähig und in der Familie weitervererbt. Zum anderen haben sich die Wearables zu einem sehr umsatzträchtigen Ressort in Apples Bilanz entwickelt. Es gibt also sehr viele Nutzer, aber öffentlich nur wenige Klagen.

Das Pro im Namen der AirPods Pro lässt erwarten, dass die beiden Ohrhörer eine Stufe über den Original-AirPods stehen. Und diesem Anspruch werden sie gerecht. Auch wenn sie ohne ein Event kamen: Die AirPods Pro sind eine der spannendsten Apple-Neuerscheinungen des Jahres 2019.

Über die AirPods Pro sprechen wir ausführlich in Apfelfunk 196.

Zum Start von Apple TV+: Erste Eindrücke und Gedanken

Apple TV+ ist am 1. November gestartet. Der Streaming-Dienst für Serien ist Teil der Services-Offensive, die Apple im Frühjahr 2019 ankündigte. Der Handel mit Dienstleistungen wie den Abo-Diensten hat sich bekanntlich zu einem rasant wachsenden zusätzlichen finanziellen Standbein für Apple entwickelt. Wird TV+ auch einen Beitrag dazu leisten?

Einige erste Gedanken zum neuen Dienst:

  • Apple TV+ ist mit einer Handvoll Serien gestartet, die extra für den Dienst produziert wurden. Anders als Netflix, Amazon und Co. gibt es keine älteren Filme und Serien. Damit setzt Apple komplett auf die Überzeugungskraft der Eigenproduktionen. Es wird spannend, ob diese Gleichung aufgeht.
  • Der Preis von 4,99 Euro ist schwer vergleichbar mit anderen Streaming-Diensten. Zwar bieten einem die etablierten Anbieter quantitativ für meist 10 Euro deutlich mehr fürs Geld. Allerdings wird es bei ihnen auch teurer, sobald zum Beispiel die ganze Familie Zugänge benötigt oder eine höhere Wiedergabequalität gewünscht ist. Apples Dienst hat die Familienfreigabe hingegen inklusive und macht auch bei der Wiedergabequalität keine Unterschiede. Und Hand aufs Herz: Wie viel von dem riesigen Bestand anderer Dienste schaut man im Monat wirklich?
  • Sind die Serien ihr Geld wert? Wir haben uns bislang mehrere Folgen von “For All Mankind” und stichprobenartig die weiteren Serien angesehen. Die Qualität der Produktionen ist hochwertig – umgesetzt werden sie von bekannten Produktionsfirmen wie zum Beispiel Sony. Am Ende ist es, wie bei Netflix & Co., vor allem eine geschmackliche Frage. Interessiert mich das Thema der Serie? Mag ich die Umsetzung? Apple setzt bei den ersten Serien auf zum Teil bekannte Gesichter und hohe Budgets. Mal schauen, ob viel auch viel hilft.
  • Für Apple wird es auf Dauer vermutlich schwerer als für andere Streaming-Dienste, die Kunden zu behalten. Bei Netflix zum Beispiel ist das Familienangebot so groß, dass es auf Strecke mehrere Gründe gibt, bei dem Dienst zu bleiben – auch wenn eine bevorzugte Serie gerade in die Pause gegangen ist. Bei Apple TV+ könnten Liebhaber einzelner Serien hingegen geneigt sein, zwischendurch auch mal abzubestellen.
  • Lohnt sich Apple TV+? Da es die Apple-Produktionen nirgendwo anders gibt und die Alternative wäre, sie zu den iTunes-Konditionen zu mieten oder zu kaufen, lautet die Antwort: Ja, nach den Maßstäben des Apple-Ökosystems schon. Da der Dienst monatlich gekündigt werden kann, können schnelle Gucker eine Serie oder zumindest größere Teile davon für knapp fünf Euro betrachten.
  • Was stört? Obwohl die TV-App deutlich überarbeitet wurde, überzeugt sie noch nicht. In unserem Test verlor die App unzählige Male die letzte Abspielposition. Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres, als in einer einstündigen Produktion den letzten Abspielpunkt zu suchen. Auch in punkto Übersichtlichkeit darf man gespannt sein, ob der Dienst einer wachsenden Zahl von Produktionen standhält. Problematisch halten Nutzer auch die Durchmischung von iTunes-Kauf- und Streaminginhalten. Eine klarere Abgrenzung wäre wünschenswert.
  • Viele Probiermöglichkeiten: Sieben Tage kann Apple TV+ jeder kostenlos testen, bevor das kostenpflichtige Abo beginnt. Wer in jüngster Zeit ein neues Gerät gekauft hat, kann sogar ein Jahr lang kostenfrei gucken – das ist viel Zeit, um sich vom Dienst zu überzeugen.
  • Apple wirbt offensiv: Egal ob auf der Apple TV-Box oder auf dem iPhone – vermutlich dürfte jeder Nutzer früher oder später eine Pushnachricht oder einen Splash-Screen erblicken, der einen wenig dezent auf das Vorhandensein des neuen Dienstes hinweist. Diese Erreichbarkeit von Milliarden Menschen hat Apple anderen Mitbewerbern voraus. Und es ist zweifellos auch nicht von Nachteil, wenn die eigene Streaming-App zu den Standard-System-Apps des Geräts gehört und nicht extra geladen werden muss. Man darf gespannt sein, wie lange sich das die Wettbewerbshüter im Falle eines Erfolgs mit anschauen.

Über unsere ersten Eindrücke sprechen wir in Kürze auch im Apfelfunk Podcast.

Apple Watch Series 5 im Test: Die Uhr, die niemals schläft

Die Apple Watch ist in diesen Tagen das Apple-Gerät mit der bemerkenswertesten Fortentwicklung. Nach mehreren Wochen mit der Series 5 wollen das verbesserte Display nicht mehr missen.

“Hey, das ist ja die Series 5.” Kurioserweise haben uns in den vergangenen Wochen auf die Series 5 mehr Leute angesprochen als das ganze Jahr vorher auf das Vorgängermodell. Dabei war die Series 4 in punkto Hardwaredesign und mit dem größeren Bildschirm zweifellos die größere Veränderung für die Apple Watch. Aber ein Display, das niemals schläft, das immer die Uhrzeit anzeigt – das gilt für digitale Uhren als noch bemerkenwerter.

Was für eine Freude über etwas, das jahrzehntelang das Normalste der Welt war: Eine Uhr, die ständig die Uhrzeit anzeigt. In der Welt der Smartwatches war das allerdings bislang alles andere als normal.

Energiehunger vs. Always-on

Die Anzeige der Apple Watch Series 5 im aktiven Modus …

Der Energiehunger der Displays und der Wunsch nach Kompaktheit des Gehäuses zwangen die Hersteller der ersten digitalen Uhren, Kompromisse zu schließen. Dafür bekam der Nutzer aber auch stets mehr als bei einer analogen Uhr: Verschiedene Zifferblätter und Zusatzfunktionen vom Wetter, über E-Mails, Nachrichten bis hin zur Telefonie. Dieser Kompromiss, das zu ermöglichen, sah im Falle der Apple Watch so aus, dass Bewegungssensoren den Bildschirm aktivierten, wenn der Nutzer den Arm in Richtung Gesicht anhob oder er drauf tippte. Und dass das Display sich nach einer gewissen Zeit wieder ausschaltete, wenn es keine weitere Aktion gab. Das funktionierte mit jeder Series und jedem Software-Update gefühlt auch etwas besser. Und damit rückte auch der Wunsch nach diesem Always-on-Display ein wenig in den Hintergrund.

Dieser Kompromiss ist bei langjährigen Nutzern von digitalen Uhren tatsächlich so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man den zentralen Vorzug der Apple Watch Series 5 – das Display, das niemals schläft – im ersten Moment gar nicht so richtig nutzt. Bei einigen Technikinteressierten im Netz ging das Unbehagen sogar so weit, dass sie sich die Abschaltung zurückwünschten. Andere könnten ja ihnen etwas weggucken, wenn das Zifferblatt künftig ständig zu sehen ist.

Keine Angst vor dem Display

… und die Anzeige im Stand-by. Deutlich zu erkennen ist das gedimmte Watch-Face.

Dererlei Ängste sind unbegründet. Die Apple Watch Series 5 zeigt die Benachrichtigungen, die private Informationen enthalten, nämlich weiterhin nur im aktiven Modus an. Abgucken kann der Außenstehende also allenfalls etwas, was als Anzeige im Zifferblatt, als so genannte Komplikation, eingestellt wurde. Aber auch dies lässt sich über die Einstellungen abschalten.

Am Ende also viel Aufregung über etwas, das für den Nutzer nur Positives bewirkt: Mit der Series 5 ist es nämlich erstmals möglich, die Uhrzeit dezent abzulesen. Vorbei die Zeiten, in denen die Gesprächspartner in Besprechungen dachten, man übe Zeitdruck aus, nur weil man kurz auf die Uhr schauen wollte und den Arm anhob.

Dabei ist auch das Always-on-Display nur ein technischer Kompromiss zwischen Sichtbarkeit und Akkulaufzeit. Apple hat einen neuen Bildschirm entwickelt, der im Stand-by die Bildfrequenz auf ein Bild pro Sekunde senkt. Deshalb werden allzu bewegliche Elemente wie der Sekundenzeiger im Stand-by auch ausgeblendet. Zudem dimmt der Bildschirm die Helligkeit. Apple hat spezielle Dunkelvarianten der Zifferblätter entwickelt, die gut ablesbar sind und den Akku schonen. Diese dunklere Anzeige bewirkt im übrigen auch, dass die Ablesbarkeit für umstehende Personen nicht gut ist. In unserem Test wurden wir ein paar Mal nach der Uhrzeit gefragt: Wir mussten das Display dann schon wirklich in Richtung der fragenden Person richten, damit es gut abgelesen werden konnte.

Die Watch ist erwachsen geworden

Die neue Always-on-Technik funktioniert auch recht gut, wenngleich sich bei der Akkulaufzeit über den Tag gesehen schon eine durchaus schnellere Entladung feststellen lässt. Apple hat hier mittlerweile aber schon massiv nachgebessert. Mit watchOS 6.0.1 und 6.1 hat die Akkulaufzeit wieder zugenommen. Gemessen am Nutzen wäre ein klein wenig Laufzeitverlust allerdings zu verschmerzen. Die Apple Watch ist erwachsen geworden.

Ein weitere Neuigkeit, der eingebaute Kompass, erscheint zunächst unspektakulär, ist es aber nicht. In der Karten-App auf der Uhr ist es nunmehr möglich, neben dem Standort auch die Blickrichtung anzuzeigen.

Eine sinnvolle Weiterentwicklung sind die internationalen Notrufe. Bei Besitzern der Cellular-Variante ruft die Uhr automatisch Rettungsdienste an, wenn der Besitzer ernsthaft stürzt oder per fünfmaligem Betätigen des seitlichen Knopfes den Notruf auslöst. Eine Mobilfunkkarte ist dafür in den meisten Ländern der Welt nicht nötig – leider aber in Deutschland.

Neue Materialien: Keramik & Titan

Für Freunde anderer Materialien gibt es nun neben den Gehäusen aus Aluminium und Edelstahl ein Wiedersehen mit Keramik und neu Titan. Die mit Preisen ab 1399 Euro deutlich höherwertige Keramik-Variante fällt schon von weitem auf. Titan präsentiert sich eher dezent und fühlt sich sehr leicht am Handgelenk an. Wer mit einem besonderen Gehäuse auffallen will und das nötige Kleingeld hat, sollte unbedingt zur Keramik greifen. Titan ist eher ein Material, das man für sich selbst kauft.

Wie bei den vorherigen Modellen lassen sich die Gehäuse der Series 5 mit den von Apple und anderen Herstellern verkauften Armbändern kombinieren.

Für wen lohnt sich der Kauf?

Ebenfalls neu bei der Series 5: Der Kompass, der in der Karten-App die Blickrichtung zeigt.

Für wen lohnt sich der Kauf? Wer sich zum ersten Mal eine Apple Watch kauft, sollte sich gleich für die Series 5 entscheiden, die in der GPS-Variante mit 40mm-Gehäuse ab 449 Euro erhältlich ist, in der größeren 44mm-Variante für 479 Euro. Zwar führt einen die deutlich günstigere Series 3 in Versuchung, aber das verbesserte Hardwaredesign der Series 4, gepaart mit dem Always-on-Display der Series 5, rechtfertigt den Aufpreis vollkommen. Das Mobilfunkmodul kostet rund 100 Euro mehr, macht die Uhr unabhängiger vom iPhone, ist aber kein Muss. Wer von der Series 4 kommt, muss etwas länger überlegen, da hier vor allem nur das Always-on-Display ein Anreiz sein könnte. Besitzer früherer Watches können bedenkenlos umsteigen.

Allerdings gibt es eine Vielzahl neuer Software-Funktionen auch für ältere Watch-Modelle. Mit watchOS 6 hat Apple die Möglichkeiten der Uhr erweitert. Es gibt einen eigenen App Store und die Möglichkeit, Updates ohne Umweg über das iPhone zu laden. Die Rückwärtskompatibilität reicht seit watchOS 6.1 bis zur Series 1 zurück. Allerdings unterstützen die älteren Modelle nicht alle neuen Funktionen im Betriebssystem.

Die Uhr, die immer die Zeit anzeigt, gibt es freilich nur mit der Hardware. Und hat man sich einmal den Reflex abgewöhnt, die Arm dafür zu heben, möchte man nie wieder zurück.

Über unsere Testergebnisse haben wir in Folge 190 des Apfelfunks gesprochen: