Fritzbox 6660: Das Wi-Fi 6-Wunder?

Fritzbox 6660: Das Wi-Fi 6-Wunder?

Das iPhone 11 kann es. Das neue iPad Pro auch. Die Rede ist von Wi-Fi 6 (802.11ax). Doch wer die WLAN-Geheimwaffe zünden will, braucht den passenden Router. Wir haben den Kabelrouter Fritzbox 6660 Cable von AVM genauer unter die Lupe genommen.

Das ist mal ein Statement von AVM: Obwohl die meisten Menschen in Deutschland immer noch per Telefonleitung und VDSL ans Internet angeschlossen sind, hat die Berliner Router-Schmiede ausgerechnet eine Kabel-Box auserkoren, um sie als erste mit dem neuen Wifi-Standard Wi-Fi 6 auszustatten.  Der Grund dafür ist einfach. In Sachen Gigabit-Geschwindigkeiten ist beim Internet via Kabel momentan die meiste Musik in Deutschland drin. Just zur Veröffentlichung der Fritzbox 6660 startete Vodafone eine neue Preisoffensive, die Anschlüsse mit 1 Gigabit pro Sekunde im Downstream mit knapp 40 Euro pro Monat erschwinglich gemacht hat.

Damit dieses Tempo auch genutzt werden kann, bedarf es jedoch eines schnellen Routers mit dem DOCSIS 3.1-Standard. Die neue Fritzbox beherrscht diesen, aber auch das ältere DOCSIS 3.0. Mit bis zu 6 Gigabit pro Sekunde ist sie auch für Tempoanhebungen bestens gerüstet.

Anschlüsse der Superlative

All das brächte freilich wenig, wenn das schnelle Internet nicht auch ebenso fix im heimischen Netzwerk weiterverteilt wird. Auch hier geizt AVM nicht mit Superlativen. Allem voran steht dabei ein LAN-Kabelanschluss mit 2,5 Gigabit pro Sekunde. Ergänzt wird er durch vier Gigabit-Ports. Im WLAN wird mit besagtem Wi-Fi 6 bzw. AX ein Tempo von bis zu 2400 Mbit/s erreicht. Neue Smartphones wie die iPhone 11-Reihe, das neue iPad Pro und einige aktuelle Notebooks beherrschen den Standard schon. Per MIMO (Multiple-Input, Multiple-Output) soll das Netz auch bei mehreren Nutzern nicht in die Knie gehen.

Auf dem Papier sehen diese Labor-Geschwindigkeiten immer gewaltig aus. In der Realität sind natürlich immer viele Widrigkeiten zu meistern, die am Tempo knabbern. Hier gilt aber dennoch die Faustregel: Je mehr auf der Packung draufsteht, desto mehr Tempo kommt trotz aller Abzüge nachher auch beim Nutzer an. Und so ist das auch bei Wi-Fi 6. Die gemessenen Geschwindigkeiten lagen durchweg im höheren dreistelligen Megabit-Bereich.

Verpackt hat AVM all dies in einem Gehäuse, das an die Original-Bauform der früheren roten Fritzboxen erinnert. Die weißen, vertikal aufgestellten Kästen scheinen nur eine Episode gewesen zu sein. Das neue weiße Design mit roter Kante in einem glänzenden Kunststoff mit geschwungenen Linien sieht traditionell und schmuck zugleich aus. Wer seine Box unter dem Tisch, im Keller oder unsichtbar aufstellt, dem wird das egal sein, doch im Wohn- oder Arbeitszimmer muss sich die Box nicht verstecken.

Die Fritzbox 6660 hat fünf LAN-Anschlüsse, davon einer mit 2,5 GBit/s

Gutes Nutzererlebnis

Was AVM schon lange sehr gut beherrscht, ist die Gestaltung eines guten Nutzererlebnisses beim Auspacken und Aufbauen. So liegt zum Beispiel gleich ein LAN-Kabel der Box bei. Die Installation ist trotz der je nach Kabelnetz-Betreiber unterschiedlichen Freischaltung per MAC-ID gut erklärt und leicht gemacht. Nein, ein Laie wird wahrscheinlich trotzdem etwas Expertenhilfe wertschätzen. Aber der Hersteller hat sich wirklich bemüht, den Vorgang so einfach wie möglich zu gestalten und die allermeisten dürften es alleine hinbekommen.

Für analoge und ISDN-Telefone steht jeweils ein Anschluss an der Box bereit. Per Fritz-Fon-App können auch Smartphones für das heimische Festnetz verwendet werden. Überhaupt müht sich AVM ja sehr, Mehrwerte zusätzlich zum Internet-Router zu bieten. Dazu zählen etwa die Möglichkeit, zusätzliche Smart-Home-Geräte bei AVM zu ewerben und mit der Box zu steuern oder die Möglichkeit, eine externe Festplatte per USB anzuschließen, um sie als Netzwerkspeicher im heimischen LAN/WLAN bereitzustellen. Leider ist der Anschluss mit USB 2.0 nicht so gigabit-schnell wie der Rest. Sechs Schnurlostelefone können per DECT eingebunden und ein interner Anrufbeantworter aktiviert werden.

Per USB kann die Fritzbox 6660 zum NAS gemacht werden – leider nur mit USB 2.0

Kein Kabel-TV

Was bei den Extras mancher vermissen könnte, ist das DVB-C-Streaming anderer Kabelboxen aus dem Hause AVM. Damit konnte das SD- und HD-Kabelfernsehen per Netzwerk  und App auf Mobilgeräten empfangen werden. Mit der zunehmenden Verschlüsselung und der fehlenden Möglichkeit, Decoder-Module einzusetzen, war das freilich eine eher eingeschränkte Möglichkeit, die vor allem für den Empfang öffentlich-rechtlicher Sender interessant war: Mit den immer besseren Mediatheken wurde dies vielleicht als obsolet angesehen.

Ein Punkt, mit dem AVM aktuell sehr in die Offensive geht, ist die Möglichkeit, so genannte Mesh-Netzwerke zu knüpfen, also kabellos oder kabelgebunden das WLAN zu erweitern. AVM bietet dazu verschiedene Repeater an. Per Mesh sollen die Übergänge für den Nutzer fließend sein. Das heißt, dass er gar nicht merkt, wenn sein Smartphone, Tablet oder Notebook die “Antenne” wechselt. In der Praxis hängt der Erfolg allerdings sehr stark von den räumlichen Bedingungen ab. Wir fuhren am Ende besser damit, dem Repeater einen eigenen Namen zuzuweisen – dann aber funktionierte das erweiterte Netzwerk sehr gut, wenn auch mit manuellem Wechsel der Zugangspunkte.

Fazit: Wunderbar geräuschlos

Unter dem Strich liefert AVM mit der Fritzbox 6660 Cable erneut ein Produkt ab, das im wochenlang Test dadurch auffällt, dass es gar nicht auffällt: Leichte Installation, reibungsloser Betrieb, keine Probleme – genauso wünscht man sich einen Router. Die starken Spezifikationen und das Versprechen, neue Softwareversionen zu liefern, sorgen für die Zukunftsfähigkeit, die sich der Nutzer wünscht. Daumen hoch für den knapp 230 Euro teuren Wunderkasten aus Berlin.

Geschrieben von
Malte
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