MacBook Pro 13“: Die neue 1. Klasse

Apple hat im Juli sein günstigstes MacBook Pro erneuert. Augenfällig ist der Einbau der Touch Bar. Doch das ist längst nicht alles.

Von Malte Kirchner

Das neue 13,3 Zoll große MacBook Pro kann vieles, es macht es dem Kaufinteressierten aber vor allem eines: Leichter. In der ersten Jahreshälfte 2019 standen in dieser Größenklasse mit dem Vorgängermodell des MacBook Pro aus dem Jahre 2017, dem 12 Zoll großen gleichaltrigen MacBook und dem 13,3 Zoll großen neuen MacBook Air gleich drei Geräte zur Auswahl, deren Unterschiede ganz genaues Hinsehen und das Wissen um die eigenen Bedürfnisse erforderten. In der zweiten Jahreshälfte ist nun alles ganz einfach: Es gibt das MacBook Air für die klassischen Consumer-Bedürfnisse. Und das Pro für alles, was darüber hinaus geht,

Damit die Rechnung aufgeht, musste das günstigste MacBook Pro aber erstmal besser werden. Denn vor dem neuen MacBook Pro 13“, das im Juli veröffentlicht wurde, gab es zwei erste Klassen. Apple hatte mit der Einführung der Touch Bar, jenes Minibildschirms, der die Funktionstasten der Tastatur ersetzt, eine MacBook Pro-Variante ohne eben besagte Bedienungseinheit veröffentlicht. Es sollte fortan das Einstiegsgerät sein und wurde von Nerds liebevoll „MacBook Escape“ genannt, in Anspielung an die noch vorhandene physische Escape-Taste. Dieses MacBook Pro überzeugte vor allem aufgrund seines günstigeren Preises.

Blick in die Packung des neuen MacBook Pro. (Foto: mk)

Das ist das neue MacBook Pro

Das MacBook Pro gibt es seit dem Juli-Update nur noch mit Touch Bar. Damit wurden Zweifel widerlegt, dass Apple an der Bedienungsleiste, die ein Alleinstellungsmerkmal dieser Produktreihe blieb, bereits die Lust verloren haben könnte. Das neue Einstiegs-Modell in der Pro-Klasse kann damit nun auch per Fingerabdruck (Touch ID) aufgeschlossen werden. Nutzer können mit ihrem Finger zudem Apple-Pay-Zahlungen autorisieren. Diese Funktion dürfte mit Blick auf die ab September verschärften Regeln für Onlinebanking und Zahlungen für viele noch deutlich interessanter werden.

Unter der Haube steckt ein neuer Intel-Prozessor der 8. Generation. Er soll doppelt so leistungsstark wie zuvor sein, verspricht Apple. In Testprogrammen (Benchmarks) stellt sich die Realität differenzierter dar: Kommt nur ein Kern zum Einsatz, liegt der Zuwachs zum zwei Jahre älteren Vorgängermodell mit i5-Prozessor bei gerade einmal knapp sieben Prozent. Deutlicher ist der Zuwachs bei Mehrkern-Prozessen. Kein Wunder. Steckt doch jetzt ein Quad-Core im Gerät. Hier werden 80 Prozent und mehr Leistungszuwachs erreicht. Wer von einem 2018er-Modell kommt, muss laut Tests sogar mit leichten Leistungseinbußen rechnen.

Solche Zahlenspiele sind freilich immer mit Vorsicht zu genießen. Apples Stärke ist und bleibt das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten eines Computers, seien es die Bauteile oder eben auch Hard- und Software. Das spielt das neue MacBook Pro – subjektiv empfunden – voll aus. Programmieren mit Xcode, Videos schneiden mit Final Cut Pro oder einen Podcast schneiden mit Logic Pro? Alles geht flüssig und schnell. Das mögen einfache Pro-Bedürfnisse sein, aber wer höchste Performance braucht, kauft auch nicht das günstigste Pro-Gerät, sondern muss noch mehr investieren.

Und zum Einstiegspreis kommt das 1499 Euro teure Einstiegs-MacBook Pro jetzt auch mit dem T2-Sicherheitschip sowie die True Tone Retina Display, das sich mittels Sensoren farblich der Umgebung anpasst, um Farbtöne möglichst realitätsgetreu anzuzeigen. Eine lange Batterielaufzeit von zehn Stunden, der gute Klang der eingebauten Lautsprecher und die gute Darstellung des Bildschirms gehören schon längst zur Standardausstattung.

Das 13-Zoll-Modell gibt es wahlweise mit 128, 256, 512 GB und 1 bzw. 2 Terabyte SSD-Speicher. Die Einstiegsgröße mit 128 GB dürfte für Pro-Bedürfnisse wohl kaum ausreichen, so dass der Preis auf jeden Fall höher als knapp 1500 Euro ausfällt. Der Arbeitsspeicher kann bei dieser Größe zwischen 8 und 16 GB gewählt werden.

Schmetterlinge im Bauch?

Ein Reizthema der MacBooks ist und bleibt die Butterfly-Tastatur. Sie löste vor Jahren den Scherenmechanismus unter den Tasten ab und sorgte dafür, dass die Bauhöhe der Tastatur weiter verringert werden konnte. Sie ist allerdings auch mit Problemen behaftet. Kleinste Staubkrümel genügen, so Nutzerberichte, um Tasten außer Gefecht zu setzen. Apple reagierte mit diversen Verbesserungen. Mittlerweile ist auch jedes neue Gerät gleich austauschberechtigt. Die einen sehen es als Eingeständnis, die anderen als präventive Maßnahme, um aufgeregten Diskussionen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Quantifizieren lässt sich sich das mutmaßliche Massenproblem kaum. Gemessen an der Zahl der Nutzerberichte ist aber schwerlich von Einzelfällen auszugehen.

Verglichen mit dem MacBook aus dem Jahre 2017 sind die Verbesserungen an der Tastatur im Anschlag deutlich spürbar. Sie klingt leiser und der Tastendruck wirkt so, als wenn er tiefer ist. Aber über die Staubempfindlichkeit besagt das natürlich nichts. Nur so viel können wir sagen: Binnen des Testzeitraums gab es keinerlei Probleme.

Das Einstiegsgerät bringt jetzt auch die Touch Bar mit. (Foto: mk)

Port der guten Hoffnung

Ein weiterer potenzieller Kritikpunkt, der die Zeit überdauert, sind Anzahl und Format der Anschlüsse. Es gibt neben dem klassischen 3,5-mm-Klinkenstecker für Kopfhörer zwei USB-C-Ports (zugleich Thunderbolt 3). Hierüber wird das Gerät auch aufgeladen. Wer also keinen Hub besitzt und das Gerät am Stromnetz betreibt, hat einen einzigen USB-C-Anschluss zur Verfügung. Und da die allermeisten Geräte auch im Jahr 2019 noch mit dem klassischen USB-A-Stecker arbeiten, braucht der Nutzer dann einen Adapter – dann kann er sich auch gleich einen Hub kaufen und so zumindest die Zahl der Anschlüsse multiplizieren.

Aber ist das wirklich ein Problem? Dies hängt vom jeweiligen Nutzer ab. USB-C findet immer höhere Verbreitung, viele Datentransfers können heute auch problemlos kabellos erledigt werden. Wer jedoch auf Kabelverbindungen angewiesen ist, könnte an den wenigen Ports leicht Anstoß nehmen. Ein neues Thema ist das freilich nicht – Apple geht diesen Weg schon seit Jahren konsequent.

Bewährtes Design

Beim Aussehen setzt Apple auf das Bewährte. Der Aluminium-Unibody steht in den Farben Silber und Spacegrey zur Auswahl. Im Gegensatz zum Air ist die Tiefe vorne und hinten gleichmäßig, das Consumergerät ist dagegen keilförmig und hat nach vorne hin eine geringere Bauhöhe.

Heißes Teil

Wird das MacBook Pro unter Volllast gefahren, schaltet sich der Lüfter etappenweise hinzu. In Maximalleistung ist das Gerät deutlich hörbar. Vor allem aber dürfte der Nutzer die Wärmeentwicklung wahrnehmen, die sich in der hinteren Mitte kurz vor dem Display konzentriert. Wer das Gerät auf den Knien betreibt, könnte geneigt sein, es dann auf den Tisch zu stellen. 

Fazit: Wirklich erstklassig

Das neue MacBook Pro zum Einstiegspreis ist jetzt wirklich ein MacBook Pro ohne Wenn und Aber. Die Touch Bar – ob man sie braucht oder nicht – strahlte beim Vorgängermodell gleich nach außen aus, wie viel Geld der Käufer in die Hand genommen hat. Wer sich jetzt für die erste Klasse des Mobilcomputers von Apple entscheidet, bekommt auch Erstklassiges: Sowohl im Ansehen als auch eben unter der Motorhaube. Das Preis-Leistungsverhältnis geht in Ordnung, zumal Macs ziemlich wertbeständig sind und der Wertverlust geringer als bei ebenbürtigen PCs ausfällt. Apples neue 1. Klasse der MacBooks kann sich sehen lassen.

Das neue MacBook Pro mit 13-Zoll-Display ist in der Grundausstattung (1,4 GHz Quad-Core-Prozessor, 128 GB Speicherplatz, 8 GB RAM) für 1499 Euro erhältlich. Wir haben dieses Modell mit 256 GB SSD getestet (Preis: 1749 Euro). 

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