Gut zu hören: Was die neuen AirPods besser können

Lohnt sich der Umstieg für Besitzer der ersten AirPods-Generation? Und wie schlagen sich die neuen Funktionen im Alltag? Die neuen AirPods im Apfelfunk-Test.

Am Anfang eine Liebeserklärung: Jahrelang habe ich mich mit vertüddelten Kabeln herumgeschlagen und geärgert. Vor allem dann, wenn es darum ging, ein kurzes YouTube-Video anzusehen oder schnell irgendwo hineinzuhören. Bei einigen Gelegenheiten habe ich sogar vergessen, was ich eigentlich wollte, bis das Setup zum Hören endlich soweit war.

Dann kamen die AirPods. Und schlagartig war dieses Problem aus der Welt geschafft. Kabellose In-Ear-Kopfhörer hatte ich auch schon vorher. Allerdings war das Modell, das ich besaß, zwischen den Ohrstücken mit einem Kabel verbunden. Folglich also wieder Kabelsalat. Bügelkopfhörer mit Funk sind indes eine tolle Sache für Zuhause oder für Reisen mit Gepäck. Aber gerade unterwegs – ohne große Tasche oder Rucksack – zog ich die minimale In-Ear-Variante vor. Anfängliche Skepsis, noch ein Produkt zu besitzen, das aufgeladen werden muss und dessen Akkus kaputt gehen können, wich bei den AirPods rasch der Freude, wie einfach und wohlklingend dieses Produkt daher kam. Apple at its best: It just works.

Die Messlatte ist hoch

Einzige optische Änderung bei den neuen AirPods: Die Leuchtdiode befindet sich jetzt außen.
Einzige optische Änderung bei den neuen AirPods: Die Leuchtdiode befindet sich jetzt außen.

Das vorausgeschickt, ist es unglaublich schwer, mit einer neuen AirPods-Generation ein ähnliches Aha-Erlebnis bei mir auszulösen. Um nicht zu sagen: Es ist kaum möglich. Das Problem des Kabels war zu groß, die Verbesserung zu deutlich, als dass eine evolutionäre Entwicklung ähnliche Begeisterung auflösen könnte. Die Fairness gebietet es also, den Maßstab nicht zu hoch anzulegen. Wenn ein Produkt zu gut ist, kann das für einen Hersteller auch eine Herausforderung in der Weiterentwicklung sein. Apples erste AirPods, die vor zweieinhalb Jahren vorgestellt wurden, legten die Messlatte für kabellose Kopfhörer im Vergleich zu den Mitbewerbern hoch.  Auch wenn der eine oder andere Akku von Vielnutzern der ersten Stunde langsam nachlässt, genügen die beiden Ohrhörer mit der markanten weißen Schatulle vielen immer noch.

Die zweite Generation, von Apple weiterhin einfach AirPods genannt, ändert grundsätzlich nichts an dem bisherigen Design und Konzept. Weiterhin brillieren die Ohrhörer damit, dass sie dem Nutzer das Entwirren von Kabeln ersparen, per Bluetooth mit Smartphones, Tablets und Computern verbunden  und die Ohrhörer durch Einlegen in die Ladeschatulle leicht aufgeladen werden können.

Neu ist die Möglichkeit, die Ladeschatulle selbst jetzt auch kabellos aufzuladen. Wer die neuen Ohrhörer mit kabellosem Ladecase erwirbt, zahlt dafür 50 Euro mehr als den Grundpreis von 179 Euro, also 229 Euro. Das kabellose Ladecase ist allerdings auch für die erste Generation nachträglich für 89 Euro erhältlich.

Zur Verwendung kommt zur Aufladung die verbreitete Qi-Technik. Die Schatulle wird einfach aufgelegt, eine Leuchtdiode auf der Vorderseite signalisiert kurz den Ladevorgang. Schade ist, dass der Ladestand nicht ohne Weiteres ersichtlich ist. Dafür muss das Case aufgeklappt werden, um zum Beispiel auf dem iPhone die entsprechende Anzeige zu erhalten. 

Weiterhin sind weder an den Ohrhörern noch in der Ladeschatulle die Akkus austauschbar. Aufgrund der ersten AirPods-Generation gibt es immerhin Erfahrungswerte, dass die kabellosen Kopfhörer je nach Nutzungssituation mehrere Jahre oder auch länger durchhalten. Bei den Ohrhörern ist es aufgrund der filigranen Technik zudem verständlich, dass Apple sich für ein geschlossenes System entschieden hat. Dennoch sind die AirPods aufgrund dieser Beschaffenheit eben nichts für die Ewigkeit. Gemessen an den Vorteilen ist das ein Preis, den ich gerne bereit bin, zu zahlen.

Es war einmal: AirPower

Bei vielen dürfte das kabellose Laden ein Problem lösen, das sie vorher nicht hatten. Wer die AirPods nicht exzessiv nutzt, dürfte das Case nur alle paar Tage in die Aufladung geben. Dafür ein Lightning-Kabel zu verwenden, ist alles andere als unzumutbar. Gleichwohl ist die Qi-Ladung als zusätzliche Alternative ein nettes Komfortmerkmal. Apple hatte seine eigene Ladematte AirPower im Sinn, als sie diese Möglichkeit schufen. Dies hätte auch den Kritikpunkt mit der Ladeanzeige gelöst, weil all das auf dem iPhone-Display erscheinen sollte. Nun ist AirPower mangels technischer Machbarkeit Geschichte und die kabellose AirPods-Aufladung wollte man offenbar deshalb nicht verwerfen. Zum Glück: Wer ein Ladepad zuhause hat oder unterwegs die Möglichkeit zur entsprechenden Aufladung vorfindet, kann diesen neuen Vorteil “mitnehmen”.

Neu ist auch ein verbesserter Chip in den winzig kleinen Ohrhörern. Die Eigenentwicklung namens H1 sorgt dafür, dass die AirPods jetzt  50 Prozent mehr Sprechdauer ermöglichen – durch eingebaute Mikrofone sind sie nämlich auch zum Telefonieren geeignet. Und sie verbinden sich spürbar schneller mit Geräten, was vor allem beim Wechsel  sehr angenehm auffällt. Wer die AirPods im ständigen Wechsel zwischen iPad, iPhone und Mac verwendet, wird diese Verbesserung lieben. Wer immer das gleiche Abspielgerät verwendet, spürt keinen großen Unterschied.

Hey, Siri!

Sprachassistentin Siri hört nun aufs Wort und lässt sich per „Hey Siri“ aktivieren. Vorher ging das nur durch dreifaches Antippen des Ohrhörers. Auch diese Verbesserung gefällt, wenngleich Siri nicht das vom iPhone bekannte  akustische Feedback gibt, dass sie zuhört. Nach einer Weile fragt sie jedoch, was der Nutzer möchte.

Last but not least: Die Tonqualität. Sie bleibt gewohnt gut. Mir scheint, Apple hat etwas mehr Lautstärke freigegeben. Bei den ersten AirPods gelangte ich trotz Maximallautstärke nie an die Schmerzgrenze, bei dieser Generation schon. Das kann allerdings auch ein subjektiver Eindruck sein – mangels Messtechnik konnte ich nicht verifizieren. Wer die ersten AirPods nicht kannte: Der Ton bewegt sich auf dem Niveau der Standard-In-Ear-Kopfhörer, die Apple dem iPhone beilegt. Bass-Freunde kommen hier nicht auf ihre Kosten, aber der Sound deckt nahezu alle Lebenslagen ab.

Fazit: AirPods 1.5

Unverändert bleibt der Sitz in den Ohren. Einige Nutzer klagen darüber, dass ihnen die AirPods beim Gehen herausfallen,  bei anderen entsteht ein Gefühl der Enge. Die Designer bei Apple bleiben bei ihrer Formel, die ein Gros der Käufer abdecken soll – und das ja augenscheinlich mit  Erfolg. Die AirPods sind ein Bestseller. Das werden sie nach dem Update wohl auch bleiben. Wer sie neu kauft, sollte gleich die aktuelle Generation kaufen. Besitzer der ersten Generation werden vermutlich erst umsteigen, wenn die alten Ohrhörer altersschwach geworden sind.  Es sei denn natürlich, sie können eine der neuen Funktionen nicht abwarten. Jenen sei gesagt, dass Apple alles Gute beibehalten und einige nette Verbesserungen vorgenommen hat. Also eher AirPods 1.5 als 2. Das ist aus Sicht jener, die die erste Generation schon wertschätzten, gut zu hören.

 

Über die neuen AirPods haben wir auch in Apfelfunk 164 gesprochen:

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